Verleihung des 31. Bayerischen Filmpreises
Seit 1979 verleiht die Bayerische Staatsregierung auf Vorschlag
einer unabhängigen Jury den Bayerischen Filmpreis für hervorragende Leistungen
im deutschen Filmschaffen.
Der "Bayerische Oscar" gehört zu den höchstdotierten und begehrtesten Auszeichnungen seiner Art in Deutschland. Preissymbol ist die
Porzellanfigur Pierrot aus der "comedia dell'arte" von Franz-Anton Bustelli.
Am Freitag, den 15. Januar 2010, war es wieder soweit, das Münchner Prinzregententheater blau illuminiert, der rote Teppich ausgerollt. Trotz Eiseskälte und Schnee kamen doch einige Schaulustige um das Defilee der Prominenz aus Politik, Wirtschaft und der
deutschen Film- und Fernsehbranche auf dem roten Teppich zu verfolgen.
Das Bayerische Fernsehen produzierte die
glanzvolle Gala, die live im Bayerischen Fernsehen übertragen
wurde. Für Charme und geistreiche Unterhaltung sorgte der beliebte
"quer"-Moderator Christoph Süß, der mit viel Humor und Augenzwinkern
durch den Abend führte.
Zur Horst Seehofer: "Herr Ministerpräsident gehen Sie auch ins Kino?" Antwort Seehofer: "Das ganze Jahr war für mich ein Kino."
Der Ehrenpreis
des Bayerischen Ministerpräsidenten ging an den national und international
renommierten Kameramann, Regisseur und Produzenten Joseph Vilsmaier. Seehofer:
„Mit Joseph Vilsmaier ehren wir eine der herausragendsten Persönlichkeiten des
bayerischen Films und einen echten Botschafter Bayerns. Er hat es wie kein Zweiter
verstanden, den bayerischen Film in die Welt hinauszutragen und sich damit um
unseren Filmstandort in ganz besonderer Weise verdient gemacht.“
Vilsmaier widmete den Preis seinem Publikum: "Ich
freue mich sehr über diesen Preis und ich hoffe, dass sie mir damit nicht sagen
wollen, Vilsmaier gib' endlich a Ruh"
Im Publikum auch Senta Berger und Michael Verhoeven, die stolzen Eltern von Preisträger Simon Verhoeven. Er hatte den Drehbuchpreis für den Film "Männerherzen" erhalten. Simon Verhoeven: "Anlass für den Film war der kollektive Liebeskummer meiner Freunde."
Musikalisch hatte sich Konstantin Wecker für den Preis "Beste Filmmusik" bedankt. Wecker: "Filme und Lieder können die Welt verändern". Er konnte sich allerdings einen Hinweis auf die jahrelangen Auseinandersetzungen mit der Bayerischen Staatsregierung nicht verkneifen.
Zu Tränen gerührt war Friedrich Mücke, der den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller erhielt. Nach mehreren Ansätzen musste er seine Dankesrede abbrechen
Bewegt war auch Waris Dirie. Die
Verfilmung ihres Bestsellers "Wüstenblume" über die Beschneidung von
Mädchen teilte sich mit dem Drama "Der große Kater" den Produzentenpreis. "Ich hoffe, dass ich nie mehr
einen Film sehen muss, in dem es um die Verstümmelung der Frauen geht",
sagte das Fotomodel, das als Fünfjährige in Somalia das grausame Ritual
erleiden musste.
Anders Bully Herbig, der gleich 2 Preise einheimsen konnte, "Bester Familienfilm" und den erstmals vergebenen "Publikumspreis". Routiniert, frotzelnd und witzig bedanke er sich bei Seehofer, der Jury und beim Publikum. Zu Seehofer: "Schön dass Sie noch da sind." Herbig weiter: "Ich freue mich, dass sie sich immer neue Kategorien für mich
ausdenken, jetzt muss ich mir ein anderes Genre aussuchen, um sie in Verlegenheit
zu bringen".
Barbara Sukova, beste Darstellerin für ihren Film "Hildegard von Bingen", bekannte bei ihrer Dankesrede, dass sie sich himmlischen Beistand bei der Heiligen Hildegard erfleht hatte. Zwar wollte sie nur gute Zuschauerzahlen, aber vielleicht "hat Hildegard ihren Einfluss etwas weiter gestreut und die Jury manipuliert".
Musikalischer Höhepunkt des Abends war der Auftritt des norwegischen Poptrios "a-ha".
Nach der zweistündigen Preisverleihung wurde ausgiebig bis in die späte Nacht gefeiert.
Fotos bitte auf Weiter klicken.....
Die Preisträger und die Begründungen der Jury:
Der Produzentenpreis wird in diesem Jahr geteilt und geht zu je 100.000
Euro an Peter Herrmann für die
Produktion des Films „Wüstenblume“ und
an Dietmar Güntsche und Wolfgang Behr, Neue Bioskop Film
München, für den Film „Der Große Kater“.
Begründung der Jury:
Mit der Verfilmung des Bestsellers „Wüstenblume“ von Waris Dirie, der auf ihrer
eigenen Geschichte beruht, hat Peter Herrmann ein wichtiges, für die Betroffenen
traumatisches und gerade deshalb oft totgeschwiegenes Thema aufgegriffen. Der
Oscar-Preisträger hat diesen schweren Stoff so sensibel und einfühlsam
umgesetzt, dass ein großer, mitreißender und tief berührender Film entstanden
ist. Gemeinsam mit der Drehbuchautorin und Regisseurin Sherry Hormann schuf er
ein beeindruckendes Filmwerk zwischen schillernder Glamourwelt und archaischen
Ritualen, voller Lebendigkeit und emotionaler Tiefe: Ein herausragender Film
und ein aufrüttelndes Plädoyer gegen menschenverachtende Traditionen.
Der Film „Der große Kater“
erzählt zwei Tage im Leben eines Spitzenpolitikers, der erleben muss, wie
relativ der Wert der Macht wird, wenn das eigene Kind im Sterben liegt. Er
basiert auf Thomas Hürlimanns Bestseller, in dem dieser die Geschichte seiner
Familie und vor allem die seines Vaters, eines früheren Schweizer
Bundespräsidenten, erzählt. Exzellente Schauspieler – allen voran Marie Bäumer
und Bruno Ganz – entwickeln mit dem Mut zu leisen Tönen eine melancholische
Reflexion über die Frage, was im Leben wirklich zählt. Mit dem „großen Kater“
ist dem jungen Produzenten Dietmar Güntsche, der auch am Drehbuch mitgewirkt
hat, und seinem Partner Wolfgang Behr gleich bei ihrer ersten Zusammenarbeit
für das Kino eine stimmige und äußerst anrührende Literaturverfilmung gelungen.
Ein wichtiger Film in Zeiten, in denen Politiker oft mehr an ihrer öffentlichen
Wirkung als an ihrem konkreten Handeln gemessen werden.
Der Regiepreis
(dotiert mit 20.000 Euro) geht an Juraj
Herz für seinen Film „Habermann“.
Begründung
der Jury:
Dass Juraj Herz seine Kunst versteht, ist nicht neu. Schon zweimal hat
er den Bayerischen Filmpreis bekommen und er hat ihn jetzt das dritte Mal
verdient. Denn mit „Habermann“ beweist Herz, dass eine heikle Geschichte wie
die gegenseitige Gewalt im Sudetenland eine besonders sensible Filmsprache
braucht, ohne irgendetwas zu beschönigen. Klassisch erzählend, dabei ungemein
spannend, aber eben nicht reißerisch. Ehrlich, klar, aber nicht kühl. Packend,
aufwühlend, aber nie effektheischend sentimental. So mutig und kunstvoll muss
eine derart wichtige Geschichte erzählt werden!
Der Preis für die beste
Darstellerin (dotiert mit 10.000 Euro) wird verliehen an Barbara Sukowa für ihre Rolle in „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von
Bingen“.
Begründung der Jury:
Barbara Sukowa ist eine der großen Schauspielerinnen unserer Zeit. Mit
der Interpretation ihrer Rollen ist sie immer direkt und präzise. Sie führt
mitten hinein in die Person, die sie verkörpert – unverschnörkelt und konzentriert.
In Margarethe von Trotta’s jüngstem Werk „Vision – Aus dem Leben der Hildegard
von Bingen“ stellt Barbara Sukowa die große Bandbreite ihrer Schauspielkunst erneut
unter Beweis. Dank ihrer Intelligenz und Leidenschaft, ihrem
Einfühlungsvermögen und ihrer Ausstrahlungskraft gelingt Barbara Sukowa ein
differenziertes Porträt der historischen Figur der Hildegard von Bingen: Einer
Frau, die ihrer Zeit weit voraus, emanzipatorisch dachte und handelte.
Den Preis für den besten
Darsteller (dotiert mit 10.000 Euro) erhält Mark Waschke für seine Rolle in „Habermann“.
Begründung der Jury:
Der Schauspieler Mark Waschke
besticht durch sein Understatement und seine große Aufrichtigkeit im Spiel.
Waschke ist in dem Film „Habermann“,
der sich mit der Vertreibung der Sudentendeutschen aus ihrer
deutsch-tschechischen Heimat beschäftigt, der reiche, deutsche Mühlen- und
Sägewerkbesitzer August Habermann. Mit feinen, präzisen schauspielerischen
Mitteln zeigt Waschke die Entwicklung Habermanns vom offenen, erfolgsgewohnten
zum gebrochenen Menschen, der mit Härte um Menschenleben feilschen muss und
schließlich von seinen Mitbürgern zu Tode gefoltert wird. Mark Waschke
verkörpert seine Rolle ebenso vielschichtig wie transparent. Seine Leistung
trägt in starkem Maße dazu bei, dass der Produktionsfirma Art Oko Film und dem
Regisseur Juraj Herz mit dem Film ein erschütterndes Zeitdokument gelungen ist.
Den Drehbuchpreis
(dotiert mit 10.000 Euro) erhält Simon
Verhoeven für den Film „Männerherzen“.
Begründung der Jury:
Wann ist ein Mann ein Mann? - Simon
Verhoeven hat sich viel vorgenommen: Er will das Leichte nicht oberflächlich
und einen Episodenfilm als dramaturgische Einheit erzählen. Und es gelingt ihm.
Dabei denunziert er seine Figuren nie, trifft mit seinen Dialogen den richtigen
Ton und mit einer gut dosierten Mischung aus Komik und rührenden Szenen den
Nerv des Publikums. „Männerherzen“ ist nicht zufällig ein Sensationserfolg an
der Kinokasse und die Figur des in Würde alternden Schlagerstars Bruce ist
längst Kult.
Der Dokumentarfilmpreis
(dotiert mit 15.000 Euro) geht an Petra
Seeger für ihren Film „Auf der Suche
nach dem Gedächtnis“.
Begründung der Jury:
In dem Dokumentarfilm „Auf der Suche nach dem Gedächtnis“ tauchen wir
ein in die persönliche Lebensgeschichte des Hirnforschers Eric Kandel. Der
Nobelpreisträger, der während des Holocaust aus Wien vor den Nazis nach Amerika
floh, erinnert sich an die traumatischen Erlebnisse seiner Kindheit und lässt
dabei zugleich seine Forschung über das menschliche Erinnern greifbar und
lebendig werden. Der Filmemacherin und Produzentin Petra Seeger ist es mit
diesem Dokumentarfilm gelungen, die Lebensgeschichte ihres Protagonisten mit
seiner Wissenschaftsgeschichte zu verweben. Entstanden ist ein unterhaltsames
Portrait, in dem das hochkomplexe Thema Hirnforschung so greifbar, verständlich
und einleuchtend dargestellt wird, wie dies nur selten gelingen dürfte.
Den Preis für die
Bildgestaltung (dotiert mit 10.000 Euro) erhält Jana Marsik für die Filme „Same Same But Different“ und „Lippels Traum“.
Begründung der Jury:
Wie der junge Hauptdarsteller David Kross wechselt die Kamerafrau Jana
Marsik gekonnt zwischen den zwei Welten des Films „Same Same But Different“. Die
Klarheit der Bilder in Deutschland steht in einem spannenden Gegensatz zu der
sehr lebendigen, vielschichtigen Bildsprache in Kambodscha. Wobei sie stets
geschickt die vorhandenen Stimmungen nutzt, ohne jemals den richtigen
Blickwinkel auf die Darsteller zu verlieren. So entsteht eine Bildsprache, der
es gelingt zu faszinieren UND dabei der Geschichte zu dienen.
Mit „Lippels Traum“ hat Jana Marsik bei einem weiteren Film des diesjährigen
Filmpreises ihre große Bandbreite beeindruckend unter Beweis gestellt.
Der Preis für die beste Nachwuchsdarstellerin (dotiert mit
10.000 Euro) wird verliehen an Katharina
Schüttler für ihre Rolle in dem Film „Es
kommt der Tag“.
Begründung der Jury:
Katharina Schüttler spielt oft Radikales und immer das Schwierigste:
Menschen, die in existenziellen Situationen hin- und hergerissen sind. Es
bleibt das Geheimnis ihres Könnens, dass es ihr gelingt, ihre jungen Frauen-Figuren
mehrdimensional anzulegen: irgendwie zerbrechlich, weiblich und doch zu Härte
aus Lebenserfahrung und Enttäuschung
fähig. Auch in Susanne Schneiders Drama „Es kommt der Tag“ brennt Katharina
Schüttler vom ersten Auftritt an mit kaltem Feuer. In dem Mutter-Tochter-Duell des Filmes kann
es keinen Sieger geben, aber Katharina Schüttler ist uneingeschränkt ihrer
großen Gegenspielerin, Iris Berben als Ex-Terroristin, ebenbürtig. Ihr
fantastisches Spiel mit psychologischer Tiefenschärfe würdigt die Jury mit dem
Bayerischen Filmpreis.
Der Preis für den besten
Nachwuchsdarsteller (dotiert mit 10.000 Euro) geht an Friedrich Mücke für seine Rolle in dem
Film „Friendship“.
Begründung der Jury:
Er spielte am Deutschen Theater Berlin,
war bei den Salzburger Festspielen im „Jedermann“ zu sehen. Seit
zweieinhalb Jahren ist der Berliner Friedrich Mücke im Ensemble des Münchner
Volkstheaters, aber im Kino immer noch ein neues und vor allem junges Gesicht.
Im Film von Markus Goller spielt Friedrich Mücke cool und authentisch die
Hauptrolle neben einem jungen „Alten Hasen“, Matthias Schweighöfer. Mücke gelingt es in der leichten und doch
ernsten Komödie scheinbar mühelos, alle Facetten
einer komplexen Figur dem Zuschauer ganz natürlich nahezubringen:
DDR-Sozialisation, eine junge Männerfreudschaft ohne Klischees, Verantwortungsgefühl
sowie Freiheitsliebe und Abenteuerlust . Dass Friedrich Mücke bei seiner Figur
immer – völlig unaufdringlich gespielt -
die innere Verletzung einer gestörten Vaterbeziehung durchschimmern lassen
kann, ist höchste Schauspielkunst, bei der es richtig Spaß macht
zuzuschauen. All das hat den Bayerischen
Filmpreis verdient.
Der Nachwuchsregiepreis
(dotiert mit 10.000 Euro) geht an Benjamin
Heisenberg für seinen Film „Der
Räuber“.
Begründung der Jury:
Benjamin Heisenbergs Film „Der Räuber“ erzählt authentisch und mit einer
ganz besonderen Handschrift die wahre Geschichte eines besessenen Marathonläufers
und Bankräubers, der seine Raubzüge in sein tägliches Trainingsprogramm
einbaut. Auf unspektakuläre Weise zieht dieser auf tatsächlichen Ereignissen
beruhende Film den Zuschauer in seinen Bann und ganz tief in das Geschehen
hinein. Benjamin Heisenbergs zweite Regiearbeit portraitiert intensiv und
fesselnd seinen Protagonisten als Einzelgänger mit einem anarchistisch
geführten Lebensprinzip, und zeigt uns mit einem zurückhaltenden, aber gerade
deshalb so eindringlichen Erzählstil die ganze Ausweglosigkeit dieser
tragischen Figur.
Den Preis für den besten
Familienfilm (dotiert mit 10.000 Euro) erhält in diesem Jahr Michael
„Bully“ Herbig für „Wickie und die starken Männer“.
Begründung der Jury:
Es war schon immer die besondere Gabe von „Bully“ Herbig, Filme zu
machen, die von einer breiten Altersschicht gleichermaßen geschätzt und geliebt
werden. Sein neuestes Werk, mit dem er den unvergessenen Comic-Helden Wickie zum Leben erweckt und ihn
gemeinsam mit seinen Wikingerfreunden in kühne und atemberaubende Abenteuer
schickt, entspricht diesem Genre des Generationen umfassenden Familienfilms in
besonders gelungener Weise. In einer traumhaften Kulisse, mit einem tollen Schauspielerensemble
und verblüffenden Special Effects schuf Bully Herbig ein hinreißendes Filmwerk
und einen ganz großen Kinospaß für Jung und Alt.
Der Preis für die beste
Filmmusik (dotiert mit 10.000 Euro) wird verliehen an Konstantin Wecker für „Lippels Traum“.
Begründung der Jury:
Konstantin Wecker ist nicht nur ein bekannter Musiker und Interpret
seiner eigenen Werke, sondern seit vielen Jahren auch als Komponist von Filmmusiken
gefragt und erfolgreich. Mit Uli Limmers Collina Film war es nach „Herr Bello“ bereits die zweite erfolgreiche
Zusammenarbeit. Die Musik zu „Lippels Traum“, einem wahrhaft traumhaften
Kinder- und Familienfilm, ist ein besonders gelungenes Beispiel dafür, wie
Musik die Wirkung eines Filmwerks begleitet, intensiviert und abrundet.
Konstantin Weckers einfühlsame Kompositionen machen „Lippels Traum“ zu einem
märchenhaften Genuss für die Sinne und zu einem unvergesslichen Kinoerlebnis.
Der Preis der
Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrecht an Filmwerken (VGF), dotiert
mit 60.000 Euro wird verliehen an DRIFE Deyle & Richter Filmproduktion für
den Film „Waffenstillstand“.
Begründung der Jury:
„Waffenstillstand“ ist ein besonderer Film, weil er weit über übliche
Betroffenheitsreflexe hinausgeht und den Blick weitet auf die verschiedensten
Aspekte des Irak-Krieges, der Kriegsberichterstattung und vor allem: den
katastrophalen Alltag und die zivilen Verwundungen, die der Krieg einer
Gesellschaft zugefügt hat, auch wenn gerade nicht geschossen wird. So
faszinierend nah an der Wirklichkeit, dass man meint, einen Dokumentarfilm zu
sehen, steht hinter „Waffenstillstand“ aber eine geniale Komposition: In einem
Kleinbus bringt eine zusammengespannte Gruppe Medikamente, Blutkonserven und
medizinische Hilfe in die belagerte und völlig abgeschnittene Stadt Falludscha:
ein in seinen humanitären Einsätzen zynisch gewordener Arzt, eine naiv-idealistische
Krankenschwester, ein eitler Jung-Reporter, der die Chance seines Lebens
wittert, und ein abgeklärter, krisengebietserprobter Kameramann. So erlebt man diesen Krieg aus
europäischer Sicht mit starken Einblicken in die Situation und Reaktion der
irakischen Zivilbevölkerung, die sich deutlich von der offiziellen
amerikanischen Lesart unterscheidet. Gedreht in Marokko entstand ein packendes
Drama, Politthriller, Roadmovie und psychologisches Kammerspiel in einem.
In Anerkennung seiner herausragenden Leistungen als Kameramann,
Regisseur und Produzent für den bayerischen und deutschen Film erhält Joseph Vilsmaier den
Ehrenpreis des Bayerischen
Ministerpräsidenten.
Begründung
der Jury:
Joseph Vilsmaier ist ein bayerischer Vollblutkünstler, der mit
„Herbstmilch“ die Herzen der Zuschauer und Kritiker im Sturm erobert hat. Unser
aller Bewunderung und Dank gilt ihm für Meisterwerke wie den oscarnominierten
Film „Schlafes Bruder“, die märchenhafte Erzählung „Bergkristall“ und die
Verfilmung der tragischen Geschichte der „Comedian Harmonists“ – um nur einen
kleinen Ausschnitt aus seinem reichen und vielseitigen künstlerischen Schaffen
zu nennen, mit dem er Filmgeschichte geschrieben hat. Stets hat er sich
engagiert gegen das Vergessen eingesetzt, wie mit dem bewegenden Auschwitz-Drama
„Der letzte Zug“ oder dem eindringlichen Antikriegsfilm „Stalingrad“. Mit dem
„Brandner Kaspar“ hat er seiner Heimat ein ebenso humor- wie liebevolles
Porträt geschenkt. Meisterhaft und weltberühmt sind seine Landschaftsaufnahmen,
sein besonderes Gespür für Stimmungen und Bilder, wie auch in seinem jüngsten
Werk „Nanga Parbat“.